Donnerstag, 24. Mai 2018

Boxspringbetten: Top oder Flop?

...schon seit mehreren Jahren sind nun Boxspringbetten in aller Munde. Beschäftigt man sich mit dem Thema Schlaf kommt man im klassischen Fachhandel nicht vorbei am amerikanischen "Superbett"

Doch was hat es damit auf sich?
Woran erkennt man ein vernünftiges Boxspringbett?
Was für Preise sind normal?
















Das amerikanische Superbett - eine kurze Erklärung

Aufbau eines klassichen Boxspringbettes









Das klassische Boxspringbett besteht aus 3 liegerelevanten Teilen und einem, meist im Erscheinungsbild massiv wirkenden, Kopfteil:
  • An unterster Stelle liegt die Box, ein Massivholzrahmen mit verbauten metallischen Sprungfedern, die den Unterbau des Bettes füllen.
  • Darüber liegt eine Taschenfederkernmatratze
  • An oberster Stelle ein Topper, der aus unterschiedlichen Materialien und Festigkeiten gefertigt sein kann. In Hotels findet man meistens Kaltschaum oder Visco-Topper.
Wie bei jedem maschinell gefertigtem Serienprodukt ist die Art des Bettes nicht gleichzusetzen mit einem gesundheitsförderlichen Charakter der Liegefläche. So bleibt das Problem der standartisierten Liegefläche bestehen. D.h. das Risiko einen Fehlkauf zu machen ist gleich groß, wie bei herkömmlichen klassischen Matratzensystemen. Lediglich eine verbesserte Druckentlastung aufgrund des flexiblen, weichen Untergrundes ist meistens gegeben. Die mangelnde Stützfunktion für z.B. die Taillienregion ist hingegen meist ein nach wenigen Wochen ausgeprägtes Problem.

Nicht jedes Boxspringbett ist empfehlenswert

Grundsätzlich wird im Matratzen- und Bettenhandel viel werbetechnische Schaumschlägerei betrieben. Oft werden Begrifflichkeiten dazu verwendet um potentielle Kunden zu fischen oder halbinformierte Kunden zu täuschen. Da das Thema Gesundheit eine große Rolle beim Matratzenkauf spielt wird immer wieder mit Begriffen wie "orthopädisch", "ergonomisch" oder "Wirbelsäulenmatratze" geworben. Bei Menschen die sich für das Boxspringbett interessieren sind meist 2 Kriterien der Entscheidungsauswahl zu beobachten:
  1. Die Höhe des Bettes: Ein hoher Ein- und Ausstieg aus einem Bett kann tatsächlich eine wesentliche Erleichterung beim Start in den Tag bedeuten. Gerade bei Menschen mit Rücken- oder Hüftbeschwerden kann es zu einer reduzierten Schmerzwahrnehmung im Aufstehen und Niederlegen kommen. Wichtig ist dabei, dass das Grundproblem dadurch aber nicht behoben wird. Eine therapeutische Abklärung ist ebenfalls ratsam.
  2. Der Look des Bettes: Boxspringbetten wirken vollwertig und sind Hauptbestandteil einer modernen Schlafzimmereinrichtung. Farb- und Stoffvariationen sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. 
Daraus ergeben sich auch die verschiedenen Möglichkeiten die der Handel erkannt um möglichst lukrativ Kapital aus dem Thema Boxspring zu schlagen:

  1. Nicht jedes Boxspringbett, ist ein Boxspringbett. Der Aufbau, vor allem der an unterster Stelle liegenden Box, ist genau zu überprüfen. Oft sind keine Sprungfedern verbaut oder die Massivholzumfassung ist minderwertig hergestellt. Fast immer ist die Taschenfederkernmatratze einfach strukturiert und zeigt keine Zonierung. So kommen besonders günstige Modelle heraus. Problematisch wird es wenn man nach 3-6 Monaten feststellt das das Bett bereits durchgelegen ist. Aufgrund des Aufbaus des Bettes ist dann nämlich oft das gesamte Bett auszutauschen, da auch der Unterbau durchliegen kann.
  2. Einfach ein neuer Name: Das Boxspringbett. Normale Polsterbetten gibt es schon lange, diese haben traditionellerweise oft eine höhere Einstiegshöhe, sind aber keine Boxspringbetten. Seit der Boxspringbetttrend Europa erfasst hat, werden diese Betten kurzerhand Boxspringbett genannt und zu Boxspringpreisen verkauft.
Der Preis macht heiß - oder verzweifelt

Vor kurzem wurden im Rahmen eines RTL Magazins verschiedene günstige Boxspringbetten getestet. Fazit: Günstig kann nichts. Meist weil die Betten entweder keine Boxspringbetten waren, oder die Verarbeitung miserabel war. D.h. es gilt sich von der Vorstellung zu verabschieden das ein Boxspringbett unter 1000€ gut ist. Der Preis ist zwar das am wenigsten zuverlässige Kennzeichen einer guten Schlafunterlage, dennoch lohnt sich die Frage nach den verwendeten Materialien und Produktionsorten. So erfährt man schnell ober der Verkäufer schnelles Geld wittert oder an einer nachhaltigen Lösung für den Körper interessiert ist. Die meisten Betten ab ca. 4000€ (180x200) entsprechen den Kriterien für ein ordentliche Verarbeitung. Wie das Liegegefühl ist, hängt mehr vom Schläfer als vom Boxspringbett ab. Theoretisch kann auch ein 500€ Bett für Sie geeignet sein. Stellt sich nur die Frage: Wie lange?

FAZIT

Boxspringbetten sind auch nur Schlafunterlagen. Sie haben Vorteile in der Handhabung und einen eigenwilligen Look auf den viele abfahren. Jedoch sollte man sich immer vor Augen halten, dass der Individualität des Körpers Rechnung getragen werden muss. Suchen Sie sich eine gute Beratung zum Thema Boxspringbett, es lohnt sich.


 


Montag, 18. September 2017

Wie entsteht guter Schlaf?

Die Wurzel eines jeden Übels ist eine schlechte Matratze! - NICHT

Beim Besuch der unterschiedlichen Matratzensysteme im Internet, auf Messen oder in Möbelhäusern wird einem schnell klar: Jeder Hersteller behauptet, dass mit der neuen Matratze alle schlafbezogenen Probleme gelöst werden können. Doch ist dem wirklich so?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Matratze einen großen Einfluss auf eine wohltuende Nachtruhe hat. Nachvollziehbar ist dies für jeden, der schon mal auf einer viel zu festen oder viel zu weichen Matratze gelegen hat. Tatsächlich kann aber der Wirkungsgrad einer für den Körper optimalen Matratze, je nach Kontextfaktoren, stark variieren.

Anhand von Diagrammen zu 3 unterschiedlichen Personensettings kann dies verdeutlicht werden.
Dabei sind folgende Faktoren für guten Schlaf relevant:

  • Matratze: Die Matratze spielt einen zentralen Teil im körperlichen regenerativen Alltagsablauf. Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt 8h 15min (Statistik Austria). Eine Menge Zeit, wenn man bedenkt, dass der Körper in diesem Tagesabschnitt keine aktiven Haltungsregulatoren bereitstellt, da die dafür zuständige Skelett-Muskulatur in Ihrer Aktivität stark gehemmt ist. Das zentrale Steuerelement, das Gehirn, ist ebenfalls heruntergefahren und somit sind wir mehr oder weniger den physikalischen Eigenschaften unserer Liegestatt ausgeliefert. Nur bei stärkeren (unangenehmen) Reizen nützt der Körper seine Eigenwahrnehmung um das Gehirn zu wecken und eine Umlagerung durchzuführen. Schlussendlich ist die Matratze auf Grund dieser Tatsachen immer ein wichtiger Einflussfaktor, um zu einer erholsamen Nachtruhe zu kommen.
  • Stress: Tagesabhängiger Stress führt häufig zu Schlafproblemen. Jeder kennt das; vor großen Prüfungen, einem anstehenden Urlaub (auch Aufregung bedeutet Stress), Probleme am Arbeitsplatz, nach einer schwierigen Trennung, etc. ist der Schlaf besonders wichtig und gerade dann fällt es einem schwer, die Augen zu zumachen.
  • Partner: Das Schlafverhalten des Partners ist ein manchmal nicht unwesentlicher Teil der eigenen Schlafprobleme (z.B. Schnarchen, Schlaf-Apnoe, häufiges Drehen, etc.). So kann ein Matratzenwechsel des Partners auch die eigene Schlafqualität zu verbessern.
  • Gesundheitliche Beschwerden: Es gibt, man mag es kaum glauben, Beschwerden, die sich am Morgen oder während der Nacht äußern, die nichts mit der Matratze zu tun haben. So haben entzündliche Prozesse (nach Unfällen, Rheuma, chronische Schmerzen, etc.) meist während der Nacht ihren höchsten Aktivierungsgrad. Dabei kommt es zu nächtlichen Schmerzen und damit einhergehenden Zusatzerscheinungen, wie Verspannung oder Durchschlafschwierigkeiten. Was in jedem Fall zutrifft ist, dass dennoch ein lagerungstechnischer Unterschied zwischen verschiedenen Matratzen bestehen kann. D.h. eine Matratze kann z.B. bei aus nächtlichen Schmerzen entspringenden Verspannungen zu Linderung führen. Das ursächliche Problem wird aber dadurch nicht beeinflusst. Die Schmerzen und Verspannungen werden nur gehemmt, aber nicht beseitigt. Auch psychische Erkrankungen haben einen Einfluss auf die Nachtruhe und sind oft mit Schlafstörungen assoziiert.
  • Tagesablauf: Alkoholkonsum, Rauchen, Art und Umfang der Ernährung, Übergewicht, Handy oder Fernsehen am Abend, Sport, Nachtdienst, berufliche Besonderheiten (z.B. sehr früh aufstehen oder sehr spät ins Bett gehen) sind nur einige der Faktoren, die der Tag mitbringt, sich aber unter Umständen in der Nacht manifestieren. Wie groß der Einfluss auf den Schlaf ist, lässt sich erst durch Experimentieren zeigen. So ist zum Beispiel erwiesen, dass 1,5 h vor dem Schlafen gehen Bildschirmzeit (Handy, Fernsehen, Computer, etc.) einen eher negativen Einfluss auf das Schlafverhalten hat.
  • Sonstiges: Im Bereich der Schlafplatzgestaltung sind viele parawissenschaftliche Ansätze vorhanden. Oft geht es dabei um Anordnung der Möbel im Raum, Lage des Bettes im Bezug auf sogenannte Wasseradern, Erd- und andere Strahlungen. Wie die Wirkungsmechanismen hier liegen ist großteils wissenschaftlich nicht geklärt. Dennoch, der Mensch besitzt sehr viele Wahrnehmungsorgane und nicht alles was wir aufnehmen wird bewusst verarbeitet, daher sollte man sich davor hüten, diese oft nur schwer nachvollziehbaren Mechanismen als Humbug zu bezeichnen.


     Person 1: Ein Ausgewogenes Liegebild. Die Matratze übernimmt den größten Posten an einer wohltuenden Nachtruhe. Die Anderen Faktoren spielen ihre gewohnten Rollen.
     Person 2: Hier sind andere gesundheitliche Beschwerden im Vordergrund, die den größten Einflussfaktor darstellen. Z.B. psychische Erkrankungen, Rheuma, chronische Schmerzbeschwerden, Fibromyalgie. Die Matratze kann hier dennoch unterstützend wirken um die Nachtruhe zu verbessern.
    Person 3: Hier ist der Stressfaktor stark ausgeprägt. Eine anstehende Prüfung oder Trennung oder andere Sorgen können durch eine optimale Matratze nicht wettgemacht werden. Dennoch lässt sich dadurch das wenige an Schlaf, was zur Verfügung steht, besser nutzen.

Abschließend soll erwähnt werden, dass der Wert einer guten Bettausstattung erst erkannt werden kann, wenn man sie hat. Kurzes zur Probeliegen hat nur bedingte Aussagekraft. Daher sind Messysteme zur Sicherstellung einer körperlich schonenden Lagerung sinnvoll.



























Freitag, 11. August 2017

One Fits All - Die Internetmatratzen

One Fits All - Die Internetmatratzen

Einfaches Shoppen - Einfache Lösungen - So einfach ist es dann aber doch nicht.
Mittlerweile gibt es viele Angebote im Internet, die Matratzen online anbieten und durch kurze Bestellwege und 100 Tage Probeliege-Aktionen den Eindruck vermitteln, dass es ganz einfach sei die neue Matratze zu finden.

Dahinter stehen meist gut geschmierte Marketingmaschinen aus den USA, England und Deutschland.

Dabei wird zumeist nur eine einzige Matratze (eine sogenannte One-Fits-All Matratze) angepriesen.
Oft wird das Material als Schlüssel zu erholsamen Schlaf verkauft. So werden die so erzeugten Matratzen oft aus Kaltschaum und Latexkombinationen hergestellt. Der Preis liegt meist bei ca. 500 € (Standardmaß 90cm x 200cm). Für Menschen die eine einfache Lösung suchen ist das ein verlockendes Angebot. Dabei gibt es aber folgendes zu Bedenken:

Körpergröße/Gewicht und Proportionen sind von Person zu Person unterschiedlich
Jeder Körper hat unterschiedliche Ansprüche an eine Matratze. Unterschiedliche körperliche Gegebenheiten wie Größe, Gewicht und Proportionen sind zentral, um dem Körper eine optimale Unterstützung zu geben.

One-Fits-All Matratzen deklarieren sich als wahre Anpassungskünstler. So sollen Menschen von 50 bis 140 kg  auf ein und derselben Matratze optimal gelagert sein.

Dass es keine Materialien gibt, welche alle anatomischen Gegebenheiten berücksichtigen können, wird dabei oftmals ignoriert. Die Matratze reagiert lediglich unterschiedlich auf die verschiedenen Gewichtszonen (Bauch, Schulter, Becken). Das Reagieren auf Druck zeichnet vor allem auch viscoelastische Materialien aus. Dabei lässt sich aber leicht übersehen, dass auch die Gegenstützfunktion einer Matratze von zentralem Interesse für die anatomisch korrekte Lagerung ist. Gerade in der Seitenlage ist im Taillienbereich daher eine exakte Stützung an der richtigen Stelle notwendig. Das Verhältnis zur Beckenabsenkung und der Übergang zur Schulterzone sollte sich idealerweise an den Körper anschmiegen, um die regenerativen Prozesse während der Nacht zu optimieren.

Die "Eine" Matratze für alle gibt es also nicht. Gerade sensiblere Schläfer oder Menschen mit Problemen werden somit auch mit diesen "einfachen" Lösungen zu keiner Lösung kommen. An einer guten Beratung führt kein Weg vorbei. Sowohl die unterschiedlichen Materialeigenschaften, als auch Festigkeiten müssen beim Matratzenkauf berücksichtigt werden.

Eine Rückgabe ist zwar eine logische Konsequenz, aber dennoch keine Lösung für Menschen mit Problemen. Immerhin schläft man nach der Rückgabe immer noch schlecht.

Donnerstag, 15. September 2016

Wie liegt man richtig?

"Ich habe gehört am Rücken zu liegen ist die bester Variante um zu schlafen"

"Ich schlafe am liebsten am Bauch, das habe ich schon immer getan"

"Ich kann nur seitlich liegen, allerdings wache ich immer wieder auf, weil mir dann meine Knie schmerzen"




Welche ist denn nun die "beste" Schlaflage?

Die Liegeposition ist ein beliebtes Thema beim Matratzenkauf und bei Menschen, die sich mit dem Schlaf auseinandersetzen. Kein Wunder, gibt es doch sehr viele verschiedene Meinungen und Denkrichtungen zu dem Thema.

Hier ein paar allgemeine Regeln, die es zu beachten gilt:
  • Rücken- und Seitenlage sind "normale" Schlaflagen, d.h. in ihnen ist die Belastungsverteilung im Wirbelsäulensystem annähernd ausgeglichen. Bei besonders sensiblen Personen ist die Seitenlage vorzuziehen, da diese, bei guter Lagerung, eine optimale Entlastung der Wirbelsäulenstrukturen (Muskeln, Nerven, Knochen, Gelenke, Bänder, Bandscheiben) ermöglicht. Es gilt trotzdem zu beachten, dass Matratze und Kopfpolster wesentlichen Einfluss auf das Liegeverhalten in diesen Schlaflagen haben.
  • Bauch- und Halbbauchlage (vgl. stabile Seitenlage) bringen eine Rotation in den Hals- bzw. Lendenwirbelsäulenbereich. Rotationen bedeuten immer, dass die Wirbelsäulen- und muskulären Strukturen nicht gleichmäßig entlastet sind. Es kann somit auch zu Druckpunkten und darausfolgenden Verspannungen und Schmerzen kommen. Diese beiden Lagearten sind sogenannte "Notschlaflagen". Der Körper nimmt sie nur dann ein, wenn er nichts anderes gewohnt ist, oder in den anderen Lagen nicht gut genug gestützt wird.
  •  Bei Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich wie z.B. Rückenschmerzen bei Bandscheibenproblematiken, Stenosen, oder nach Operationen, ist die Rückenlage oftmals nur beschwerlich möglich, da das "Hohlkreuz" durch die meisten Matratzen in der Rückenlage verstärkt und der Druck auf die hinteren und seitilichen Strukturen der Wirbelsäule steigt. Somit ist gerade in diesem Bereich die seitliche Schlaflage die Bessere.
  • Während der Schwangerschaft sollte spätestens ab der 22. Schwangerschaftswoche die Rückenlage vermieden werden, da es auf Grund des Vena Cava Kompressionssyndroms zu Versorgungsproblemen im Blutkreislauf kommen kann. Die optimalste Lagerung wird hier ebenfalls wieder durch die Seitenlage geboten.
  •  Ich kann aber nicht auf der Seite liegen. Manchmal haben sich im Laufe der Zeit Schlafgewohnheiten gebildet, welche aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein seitliches Liegen nicht ermöglichen. Dabei können traumatische, orthopädische oder neurologische Faktoren eine Rolle spielen. Unbedingt notwendig ist deshalb eine umfangreiche Beratung vom Therapeuten/Arzt und Schlafberater, die Schlafposition betreffend. So können kleine an die Situation angepasste Tipps: z.B. ein Polster zwischen den Knien oder mittels Lagerungsmaterialien oft zu wesentlichen Verbesserungen der Schlafqualität führen. Unter Umständen kann somit sogar die Seitenlage eingenommen werden.
Natürlich sind im Bereich der Schlaflagerung immer wieder Sonderfälle zu beobachten, was im medizinischen Kontext keine Überraschung bildet, da jeder Mensch andere anatomische Vorraussetzungen mitbringt. Die psychische Komponente tut ebenfalls ihren Teil um die Thematik zu verkomplizieren.

Dennoch gilt:
  1. Die Seitenlage ist die für den Körper optimalste Schlaflage, da körperliche Strukturen am gleichmäßigsten entlastet werden können.
  2. Die Rückenlage ist eine gute Lage, bietet aber bei einigen Personengruppen Nachteile.
  3. Schlafgewohnheiten limitieren unter Umständen die Möglichkeiten der richtigen Wahl der Liegeführung, können aber oft verändert werden.
 Bei Fragen zu dem Thema erreichen Sie mich unter: test@liegezentrum.at, Betreff: Liegeposition






Donnerstag, 29. Januar 2015

Bandscheiben und die Matratze

Laut Statistik Austria leiden ca. 2,3 Millionen Österreicher an Wirbelsäulenbeschwerden. Oft sind Bandscheiben mit ein Grund für diese Problematiken. Dabei spielen u.a. folgende Lebensumstände eine wesentliche Rolle:
  • Berufliches Umfeld (z.B. Computerarbeitsplatz)
  • Überbelastung (Schweres und falsches Heben)
  • körperliche Fitness (mangelnde muskuläre Stabilisation in der Wirbelsäulenregion)
  • Abnehmende Bandscheibenhöhe im Alter 
  • andere Umstände (Unfälle, Erkrankungen, etc.)
Bild 1: Gesunde Bandscheibe
Der Bandscheibenvorfall

Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man den Austritt des gallertartigen Kerns (Nukleus Pulposus) der Bandscheibe aus dem Bandscheibengefüge, welches aus dem Kern und dem faserartigen Ring (Anulus Fibrosus) besteht. Auf dem Diagnoseblatt wird meist Discusprolaps vermerkt. (siehe Bild 2, 3) 

Im Gegensatz dazu steht die Protrusion, bei der das Druckgleichgewicht innerhalb der Bandscheibe gestört ist und es zu einem Vorschub kommt, der Anulus Fibrosus aber bestehen bleibt und nicht vom Kern durchbrochen wird. 

Sowohl bei Protrusion, wie auch beim Prolaps kommt es zu einem zusätzlich Druck auf die, aus dem Wirbelkanal austretenden, Spinalnerven. Dadurch kann es zu sensiblen und motorischen Einschränkungen, sowie Schmerzzuständen kommen.

Bild 2: Bandscheibenvorfall
Die Matratze und die Bandscheibe
Es sind 2 Dinge zu beachten:

1) Liegeposition:

Die Seitenlage ist die optimale Lagerung für die Wirbelsäule. In ihr sind alle Bandscheiben und Wirbelsäulenstrukturen (Neven, Muskulatur, Faszien, etc.) gleichmäßig be- bzw. entlastet. Vorraussetzung für diese Lagerung ist eine auf den Körper abgestimmte Matratzenbeschaffenheit. Jene Strukturen die Platz benötigen können einsinken. (Schulter, Becken) Körperregionen in denen Stütze benötigt wird, erhalten ausreichend Unterstützung.(Taille) 

Kann eine solche Lage über den Verlauf der Nacht nicht eingehalten werden könnte es ein Zeichen für eine nicht ausreichend ergonomische Lagerung sein.

Bild 3: Bandscheibenvorfall von der Seite
Besonders schlecht bei Bandscheibenvorfällen sind Lagerungen in denen die Belastung nicht gleichmäßig verteilt wird. Die Bauchlagerung (vor allem bei Halswirbelsäulen-beschwerden) und die Halbbauchlage (vor allem bei Lendenwirbelsäulenbeschwerden) sind hier als Beispiele zu nennen.

2) Matratzenbeschaffenheit:

Selbst wenn die Seitenlage eingenommen werden kann, sind Problematiken nicht ausgeschlossen. Auch kleine Druckunterschiede im Wirbelsäulengefüge können ausreichen ,sodass die übersensible Vorfallsregion zu Beschwerden führt.

Die Wirbelsäule muss in einer geraden druckentlasteten Stellung liegen und die notwendige Unterstützung im Taillenbereich erfahren um eine optimale Entlastung der Nervenstrukturen zu ermöglichen.

Mittels richtiger Liegeführung und Matratzenbeschaffenheit lässt sich der Bandscheibenvorfall/Protrusion nicht beseitigen. Allerdings ist gerade bei diesen Beschwerdebildern klar, dass eine falsche Lagerung in der Nacht zu einer Verschlechterung der Beschwerden führen kann. Im Gegensatz dazu führt eine entlastende Lagerung zu regenerationsförderenden Prozessen in und um die betroffene Region.

Es empfiehlt sich stets auch die Konsultation von Arzt und Physiotherapie, um eine medizinische und therapeutische Begleitung aufrecht zu erhalten und Entlastungsstrategien für den Alltag zu finden. 

mit freundlichen Grüßen
Ilyas Merl, BA

 



Mittwoch, 17. September 2014

Schwitzen in der Nacht!

Müsste man eine Aufzählung von Ursachen für nächtlichen Schweißausbrüchen machen, wäre die Liste beträchtlich. Das Spektrum zieht sich vom geschlossenen beheizten Raum, zu Stress oder psychischen Belastungen, über medikamentöse Ursachen, bis zu krankheitsbedingten oder vegetativen Störungen.

Natürlich ist das Wärmemanagement auch im Bereich der Schlafunterlage ein großer Themenbereich. Es sind nicht immer "abnormale" Vorgänge für eine ausufernde Wärmeentwicklung verantwortlich. Die Matratzenbeschaffenheit hat direkten Einfluss auf das Wärmeempfinden und die tatsächliche Wärmeentwicklung während der Nacht.

Hier ein paar Punkt welche vor dem/beim Matratzenkauf beachtet werden sollten:

  • Ärztliche Abklärung: Wenn die Beschwerden plötzlich auftreten ist eine ärztliche Konsultation beim Hausarzt empfehlenswert. Im Wechsel oder auch bei verschiedenen Krankheiten sind vegetative Störungen durchaus oft als Symptom vorkommend. Der Arzt kann die Situation für die betreffende Person oft schnell durch adäquate Behandlung verbessern.
  • Gewichtsschwankungen: Personen mit Übergewicht neigen vermehrt zum Schwitzen in der Nacht. Die Matratze/Decke/Kopfpolster müssen darauf auch reagieren, d.h. unter Umständen müssen diese Komponenten neu angeschafft werden. Zusätzlich sollten, aus hygienischer Sicht, Matratzenschoner, die regelmäßig gewaschen werden, besorgt werden. Ein waschbarer, einfach abnehmbarer Bezug, ist ebenfalls sehr zu empfehlen.
  • Matratzenbelüftung: Die sogenannte Ventilation der Matratze hängt direkt mit der Wärmeentwicklung zusammen. Steht die Luft in der Matratze, wird sie sich stets bei Benutzung weitererhitzen, d.h. gezieltes Fragen zur Belüftung an den Verkäufer/Berater kann oft klarstellen ob beim gewünschten System ventilationsfördernde Maßnahmen gesetzt wurden. 
  • Material: Oft wird versucht die Wärmeentwicklung einer Matratze anhand der Eigenschaften eines Materials festzumachen. Wichtig ist, dass erst Verarbeitung und Zusammenspiel von Materialien eine qualifizierte Aussage ermöglichen. Trotzdem gilt meistens: Viskoelastische Materialien sind eher wärmefördernd, weil der Körper vom Material umschlossen wird und die Wärme zwischen Matratze und Körper nicht entweichen kann.
  • Bezug: Das Material des Matratzenbezugs ist ein wesentliches Element zur Wärmeentwicklung im Schlafbereich. Lassen Sie sich unterschiedliche Bezüge zeigen oder genauer erklären wie die Wärmeentwicklung durch den Bezug beeinflusst wird.
  • Überzug: Auch hier sind die verschiedensten Materialien verfügbar. Hier gilt: Probieren geht über studieren ;-)
Generell gilt, wie immer im Matratzenkauf: Lassen Sie sich ausreichend beraten. Oft merkt man dann schnell ob die Systeme durchdacht und der Berater erfahren ist.

Donnerstag, 20. März 2014

Was guter Schlaf kostet?

"800 €... ist mir eine Matratze wirklich soviel wert ?"

Nicht selten sind Matratzenkäufer mit dem Problem der finanziellen Sinnhaftigkeit ihres Einkaufsvorhabens konfrontiert. Kein Wunder, werden doch Matratzen in allen Preiskategorien mit denselben reißerischen Werbebotschaften beworben. Warum also 500€ mehr ausgeben, wenn einem um 300 € dasselbe versprochen wird. 

"Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren" André Kostolany

Matratzenkauf wird oft als Risiko gesehen, bei dem man nur schwer einschätzen kann ob sich die Investition auch lohnt. Meist sind 20 Minuten Probeliegen einfach nicht genug um die gesundheitliche Eignung einer Schlafunterlage einzuschätzen. Der Körper kann die neuen Reize der Schlafunterlage oft erst nach mehreren Wochen oder Monaten verarbeiten und zeigt daher auch oft erst nach dieser Eingewöhnungsphase die wahre Wirkung der Matratze.

"Die Matratze war die ersten Wochen super, aber nach ca. 1 Monat hatte ich plötzlich Rückenschmerzen und konnte nicht mehr durchschlafen", so oder Ähnlich äußert sich dieses Phänomen dann. 

Es gibt jedoch Lösungen zu diesem Problem. Individualisierte Matratzen bieten die Möglichkeit nicht nur vor, sondern auch nach dem Kauf Anpassungen vorzunehmen. Natürlich sind diese Systeme oft mit höheren Anschaffungspreisen verbunden. Gerade aus diesem Grund ist es notwendig sich folgendes vor Augen zu führen:

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Matratze liegt bei 7-10 Jahren (Ältere Systeme zeigen dann oft Verschleißerscheinungen oder sind aus hygienischen Gründen nicht mehr zu empfehlen). 7 Jahre, das sind ca. 2555 Tage und Nächte. Wenn ich nun ein individualisierte Matratze für 800 € erwerbe, ergibt das 0,31 € pro Nacht. Es kostet also pro Nacht weniger als ein Semmerl.